"Migraboarisch" am Staatlichen beruflichen Schulzentrum Kelheim

Wie bayerische und syrischstämmige Schüler gemeinsam Sprachgrenzen überwinden

Migraboarischv.l.n.r. Landrat Martin Neumeyer, Studienrat Dr. Peter Kasper und Oberstudiendirektor Johann Huber (Fotoquelle: Landratsamt)

Kelheim. Projektorientierung, Kreativität, Integrationsförderung - das sind nur drei der vielen Forderungen, die an die Unterrichtsgestaltung des 21. Jahrhunderts gestellt werden. Das klingt sicherlich sinnvoll, doch wo finden sich derart motivierte Schüler? Die Antwort: Am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Kelheim. Im Rahmen des Deutschunterrichts haben sich die Vorklasse der Berufsoberschule (BOS) und die Vorklasse „Integration" der Fachoberschule (FOS) zusammengetan, um gemeinsam Sprachgrenzen zu überwinden.

Bereits im vergangenen Schuljahr war an der BOS ein Geheft zum bairischen Dialekt mit dem Titel „Von uns fia eich" für die am BSZ Kelheim beschulten Flüchtlinge und Asylbewerber entstanden, um ihnen die sprachliche Ankunft zu erleichtern. Dieses 32-seitige Kompendium wurde von den Schülern der Klasse BII nunmehr überarbeitet und zu einer 44-seitigen Broschüre ergänzt. Der Titel „Von uns fia eich" blieb, überschrieben ist sie nun mit dem vielsagenden Motto „Migraboarisch". Im Anschluss an die Umarbeitung erfolgte der zweite Teil des Projekts. Die 17 Schüler der BOS-Vorklasse trafen einmal wöchentlich für anderthalb Stunden unter der Leitung ihrer Deutschlehrer, Studienrat Dr. Peter Kaspar und Lehrerin Daniela Kutzner, mit ihren zwölf Kollegen der FOS-Integrationsvorklasse zusammen. Und gemeinsam übertrugen sie die in die Broschüre aufgenommenen bairischen Wörter, Redewendungen und Beispielsätze ins Arabische; ein weiterer Schüler besorgte das Vorwort zudem auf Türkisch. „Das war nicht immer ganz einfach, kann man doch in einer anderen Sprache dasselbe nicht gleich ausdrücken", so Berufsoberschüler Burak Yilmaz (18).

Eine Herausforderung stellte beispielsweise die Übersetzung von Schimpfwörtern wie „Gloifl" oder „Isarpreiß" dar. „Was ist denn a Grattler?" „Ist das nicht dasselbe wie ein Grantler?" Solche und ähnliche Fragen waren Gegenstand der Diskussionen. Aber es wurden Entsprechungen gefunden. Auch die Eingabe der arabischen Wörter und Wendungen in die EDV konnte dank tatkräftiger Unterstützung seitens der Schüler gemeistert werden. „Das war ein großes Stück Arbeit", resümiert Ahmad Alshalabi (19). Jetzt liegt mit „Migraboarisch" aber eine Broschüre für alle Neuankömmlinge in Kelheim vor, die unseren schönen Dialekt direkt in ihre Muttersprache übersetzt bekommen.

Was den Initiator des Projekts, Studienrat Dr. Peter Kaspar, besonders freute, war das Engagement und die länder- und kulturenübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Schülern. „Man erkennt, dass und wie Sprache verbindet. Und der Dialekt manchmal noch um ein Vielfaches mehr."

- Pressemitteilung des Landratsamtes Kelheim vom 10.05.2017 - Nr. 79 -

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